Auteur/autrice : Alleinerzieher

  • Cherepkivtsi

    Долой коммунистическую партию Румынии и заносчивого ученика сапожника во главе её. Tolstoi. În original. Anna Karenina. Primele rânduri. Toate familiile fericite seamănă între ele, fiecare familie nefericită este nefericită în felul său. Știu doar această frază în rusă. Iarna lui 1983. Pe drum din România spre Polonia. La unu noaptea a trebuit să cobor la…

  • Narkoseprimat

    . Gaby! Hol’ dem jungen Kollegen doch mal einen Hocker! Kann der junge Kollege das nicht selber? Hat der junge Kollege keine Beine? Soll er sich doch einen aus Saal vier holen! Jan sitzt schon auf dem letzten Dreh-Roll-Hocker im Saal. Saal drei. Auf dem Anästhesie-Dreh-Roll-Hocker direkt vor der Narkosemaschine. Die Chirurgen brauchen ihre Hocker…

  • Primate Narcotiseur

    Gaby! Apporte donc un tabouret au jeune collègue! Le jeune collègue ne peut-il pas le faire lui-même? Le jeune collègue n’a-t-il pas de jambes? Qu’il aille s’en chercher un dans la salle quatre! Jan est déjà assis sur le dernier tabouret pivotant sur roulettes de la salle trois. Sur le tabouret pivotant d’anesthésie juste devant…

  • Trou du cul

    Sonntag, 18:46 Uhr. Im Auto mit Frau und Tochter. Der Sohn erwartet uns mit den Freunden am Kino. Super Timing. Ganz selten schaffen wir es, so punktgenau im Auto zu sitzen. Immer hat jemand was in letzter Minute vergessen. Handy, Portemonnaie, Regenschirm. Wir haben Karten für « Les Heures Sombres » um 19:15 Uhr. Pathé Liberté. Das…

  • Alles so wie immer

    Ich hatte geahnt, das es soweit kommen würde. Prokrastination bringt gar nichts. Predige ich meinen Kindern regelmäßig. Macht eure Hausaufgaben, lest eure Bücher rechtzeitig, denkt an eure Sportsachen. Ce qui est fait, n’est plus à faire. Getan ist getan. Ganz selten hören sie auf mich. Zum Wochenende Ende November die Mail von der Redakteurin. Hast…

  • Sixpack

    Früher Freitag Abend. Vor der Tür drei Männer in Arbeitskleidung. In authentischer Ausstattung leicht erkenntlich als les éboueurs, die Müllmänner. Zum Jahresende warnt die Gemeinde gelegentlich vor falschen Kalenderboten. Diese sind mit Sicherheit echt. Sie sind zu dritt. Betrüger kommen angeblich meistens alleine. Und sind auch nicht so authentisch ausgestattet mit Reflektorstreifen an Beinen und…

  • Jeu de l’oie

    Quoi? Was ist? – Gérard ist sichtlich genervt. Draußen liegt die Temperatur bei deutlich über dreißig Grad, in meiner Waschküche ist es auch nicht kühler. Dazu tropische Luftfeuchtigkeit. Schweißtreibend. Da hat ihm seine Frau am Telefon gerade noch gefehlt. Ich kenne das. Wenn mein Telefon den ganzen Tag bisher nicht geklingelt hat,  muss ich mich…

  • 50.000 Euro

    Zwei Chirurgen auf dem Weg zum OP. Liegt da ein toter Anästhesist. Sagt der eine Chirurg zum anderen: Stecken wir ihm die Hände in die Hosentaschen, dann sieht es aus wie ein Arbeitsunfall. Das geht als Witz. Ist nicht so peinlich wie der des Kinderarztes neulich. Chirurgen sehen uns ja selten mal arbeiten. Nur immer…

  • Parosmie

    Banane. Ganz klar. Zur Auswahl hätte es noch Ananas, Orange und Zitrone gegeben. Ein Multiple Choice Test. Zwölf Gerüche in Sniffin’ Sticks. Der Professor hält mir Stifte, die aussehen wie dicke Filzstifte, unter die Nase und zeigt mir eine Karte dazu. Vier Gerüche zur Auswahl. Ich muß den richtigen auswählen. Banane, ganz klar, Antwort C.…

  • Nathatlon

    Der Papa von Paul trägt ein T-Shirt « Officiel », blau auf weiß. Er bedient die rote Blechkiste auf dem Plastikstuhl jenseits der Barriere vor mir. Grüner Plastikstuhl. Verblichenes Grün, deutliche Gebrauchsspuren. Die rote Kiste ist so groß wie ein großer Schuhkarton, Bergstiefel Größe 48. Mit einem schwarzen Tragegriff obenauf, dimensioniert für mindestens zehn Kilogramm. Außerdem eine…

  • Beaufort 5

    Aus dem Fenster eines der Kinderzimmer oben im Haus hat man einen Blick auf das Wahrzeichen des Dorfs, einen solitären Andesit-Felsen mit Burgruine und Kapelle. Auf dem Turm weht Blau-Weiß-Rot und die Flagge der Provence, gelb und rot in senkrechten Streifen. Das Haus liegt am Fuße eines langgestreckten Hügels im Windschatten, in einer windgeschützten Zone…

  • Shizuishan

    Guten Morgen, Deckarddip, GrokVock, Domeniksi und Alimabum! Ich freue mich, Euch zu meinen Abonnenten zählen zu dürfen. Wahrscheinlich seit Ihr Freunde von Abbasrow, Alipi und Kliffet. Und da sind noch viele mehr. Ich habe Leser in ganz Russland! 葉卡捷琳堡. Jekaterinburg. Habe ich schon mal gehört. Russland. Links unten. Noch vier Stunden und zweiunddreißig Minuten, 2392…

  • Apéritif

    Ich glaube, die Söhne wären gerne vom Skytower in Auckland gesprungen. 225 Dollar. Mir schien das zu teuer, das war am Anfang unserer Reise, da wußte ich noch nicht, daß in Neuseeland alles überall teuer ist. Die müssen ja fast alles importieren außer Schafen. Ein kleines Bier für elf Dollar! Geht’s noch? Neuseeland-Dollar nur, macht…

  • Kopfgeld

    Ein paar Tage mit den Kindern beim Skifahren. Zu dritt, die Mutter würde nachkommen. Um vier Uhr morgens im Auto, neun Uhr die ersten am Lift. Und dann das. Gleich am ersten Tag. Nach fünfzehn Minuten Warten auf den Sohn hatte ich mich auf den Weg gemacht, pistenaufwärts. Gefühlt fünfzehn Minuten, wahrscheinlich waren es gerade…

  • Hoffnung

    Mittwoch 12:50 Uhr Rendezvous in der médecine nucléaire, Nuklearmedizin. Fensterlose Wartenische an der Kreuzung von zwei Fluren. Neben einer  Tür mit einem Pappschild « Accueil » ist ein kleiner Automat zur Vergabe von Wartenummern. C016. Wieso C? Gibt es hier noch andere Türen? Überhaupt, ich sehe keinen einzigen Monitor für die Anzeige der aktuell aufgerufenen Nummer. Noch…

  • Dienstfähig

    November 8:40 Uhr. Termin bei der Betriebsärztin, Marguerite C.. Médecine du travail. Die gibt sich immer so ein bißchen beleidigt, wenn sie mich sieht, weil das eigentlich jährlich sein sollte, der Termin. Alle Jahre wieder schickt sie mir eine Einladung und zwei, drei Erinnerungen. Vom Prinzip muß sie mir jedes Jahr meine Arbeistfähigkeit bescheinigen. In…

  • Mythique

    Kilometer 20,9. Aus der Unterführung eines Fußwegs unter dem Bahngleis, ein paar Stufen nach oben, kommt man direkt auf die Piste, Route du Bord de la Mer. Wie es da aussieht, kann bei google maps sehr schön sehen. Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen die Stadt. Vororte von Antibes. Ein paar Palmen,…

  • Rheuma

    Donnerstag, Oktober 2016 Rendezvous mit Cathérine M., Neurologin. Consultations externes im großen Krankenhaus von Toulon. Zweite Etage. Ein improvisiertes Büro im Flur der Kardiologie. Außen an der Tür ein Schild mit ihrem Namen. Immerhin. Das Büro ist eigentlich eine Abstellkammer. Zu zwei Dritteln vollgestellt mit allerlei kardiologischer Gerätschaft. Ein Schreibtisch mit Computer und Drucker macht…

  • Joker

    Bordel à cul de pompe à merde! Hässlicher Fluch, schwer ins Deutsche zu übertragen. Irgendwas mit Puff, Arsch und Scheiße. Hauptsache hässlich. Der Schraubenzieher ist gebrochen. Das ist in der Tat ärgerlich auf halber Strecke. So kann ich nicht arbeiten! Damit hat Jean-Gabriel eigentlich Recht. Hängt womöglich mit der Sparpolitik der Direktion zusammen. So kann…

  • Golfplatz

    Zum Jahresende wollen sie unser Labor zumachen. Nein, sie wollen nicht, sie werden. Sie, die Direktion. Dabei ist das Labor außer dem Kiosk in der Eingangshalle meines Wissens die einzige Abteilung, die Gewinn abwirft. Bisher hat das Centre hospitalier für 2016 drei Millionen Verlust eingefahren. Drei Millionen Euro. Letztes und vorletztes Jahr waren es insgesamt…

  • Hypocrisie

    . Wen man nicht so alles Freunde nennt. Jérôme und Isabelle zum Beispiel, Jéjé et Zaza, pour les intimes, unter Freunden. Jérôme war viele Jahre Kapitän auf strategischen Atom-U-Booten. Ultrageheim, nicht mal seine Frau wußte, in welchem Gewässer der Erde sich ihr Mann gerade aufhielt. Am Ende seiner Karriere fast Admiral in Brest. Zu seinem…

  • Ignoranz

    . Ob ich schon wüßte, daß da, wo früher die Citroën-Werkstatt war, in der Nähe des Bahnhofs, daß da jetzt irgendwo eine Moschee sein müßte, natürlich nicht in den Räumlichkeiten der Garage selbst, sondern so ein bißchen versteckt dahinter wohl, sie wüßte ja nicht, was auf dem Gelände sonst noch so alles wäre. Sie senkt…

  • Ameisenscheiße

    Erwartungsdruck, tatsächlicher oder eingebildeter, weiß man das schon genau? Demnächst vermutlich Abendessen, die essen ja so früh in Deutschland. Bestimmt warten sie unten schon, dabei hätte ich gerne mal ein paar Minuten für mich gehabt. Wir sind in Ulm. Bei Verwandtschaft, sie aus Norddeutschland, er schon immer hier in der Gegend. Schwabe, technisch orientiert, nach…

  • Zombies

    . Letzten Freitag nach dem Dienst ähnelte mein Zustand dem eines Zombies. Untot. Intellektuelles Zwerghasen-Niveau, geeignet maximal zur Bewältigung von Kleinbaustellen. Kleinbaustellen sind Baustellen im und ums Haus, deren Bewältigung weniger als einen halben Tag beanspruchen. Voraussichtlich. Zwischen den aktuellen Kleinbaustellen hatte ich immerhin Zeit, mit meinem Sohn zu Mittag zu essen. Mein Mittagessen war…

  • José

    . Der Krimiautor aus Norddeutschland saß mit seiner Gattin bei uns auf der Terrasse. Anfang Juli. Der Sohn fuhr mit erheblicher Geräuschkulisse vor. Motorschaden, würde ich sagen. Sagte der Krimiautor. Kurbelwelle oder Pleuelstange. Der Krimiautor ist auch Autospezialist. Er hat bei sich zuhause eine Scheune voll mit einem ganzen Rudel alter Autos. Autos aus Nordeuropa…

  • Insel im Sturm

    . Vor ein paar Tagen bin ich extra früh aufgestanden, um noch ein bißchen Rad zu fahren, also, eben mehr als ein bißchen nur, mehr als die zehn Kilometer plattes Land zum Krankenhaus. Wegen der Hitze geht das nur früh morgens. Und ab und zu muß, um in Form zu kommen, schon auch mal ein…

  • Sommerloch

    . Bei Zeit Online gestern ein Artikel über eine Petra Hinz von der SPD. Bundetagsabgeordnete aus Essen. Hat sich einen wunderbaren akademischen Hintergrund zurechtgebaselt. Jura. Alles gelogen. Hat nicht mal Abitur. Nun ist sie den Job los. Das ist die Gefahr im journalistischen Sommer. Wahrscheinlich werden da Praktikanten auf die Seiten des Bundestags angesetzt. Schau’…

  • Big Five

    . Lauer Frühsommer-Abend. Ich sitze mit meinem Erstgeborenen auf der Terrasse bei einem Glas Wein. Der Rest der Familie ist in der Küche beschäftigt. Dezente Geräuschkulisse, die Tochter erzählt was aus der Reitstunde. Das Leben fühlt sich geradezu entspannt an. Alles ist gut. Plötzlich steht da ein Kollege aus dem Krankenhaus auf der Terrasse. Mit…

  • Bonne journée

    . 04:51 Uhr am Montag. Die Schwester lässt über eine Hilfskraft ausrichten, daß es Monsieur Z. in Zimmer zwei nicht so gut ginge, ich möge doch bitte mal kommen.  Eigentlich sollte ich da noch im Wochenende sein um 04:51 Uhr. Langes Wochenende sogar nach dem Dienst am Donnerstag. Kaum aber saß ich am Freitag Morgen…

  • Zwiefalten

    . Ich geh’ jetzt. Ich unterschreibe euch, was ihr wollt, aber ich geh’ jetzt. Ein Uhr fünfunddreißig. Nachts. Tumult auf meiner Station für mittelschwer Kranke, Intermediate Care. Notruf der Schwester. Ein Psychopath, ich nenne ihn mal Bryce, 23, manisch-depressiv in bislang eher depressiver Verfassung. Lag eigentlich nur noch da, Zimmer drei, weil er am kaputten…

  • Muttertag

    . Garten, wenn da einer ist ums Haus, ist natürlich schön, auch weil er die Nachbarn auf Distanz hält, so wie der Pool, auch schön. Die Arbeit daran, an Garten und Pool, damit sie auch so schön bleiben, würde ich allerdings gerne delegieren können. Für Personal aber reicht das Budget definitiv nicht. Wir hatten mal…

  • Claire

    . Die Kassiererin wünscht mir einen schönen Tag. Danke, Ihnen auch, Mélanie. Mélanie ist Kasse 3 bei Décathlon. Kassiererinnen mögen das, wenn man sie auch mal als Mensch wahrnimmt. Wahrscheinlich sind sie deswegen auch meist beschriftet. Mélanie entlockt das ein Lächeln. Immerhin. Mein Tag würde bestimmt schöner werden als ihrer, sagt sie. Klar, es ist…

  • Canophobie

    . Meine Tochter, zehn Jahre alt, wünscht sich nichts sehnlicher als einen Hund. Mehr noch als ein Pony. Der Wunsch nach dem Pony kommt immer mal wieder, wenn die Reitstunde besonders nett war. Weniger häufig als letztes Jahr noch, als sie mit dem Reiten anfing. Mittlerweile ist die erste Euphorie vorüber. Den Wunsch nach einem…

  • Hirschjagd

    . Ich kenne Saint-Tropez. So, wie man als Tourist Saint-Tropez eben kennt. Ich war auch mal dort im Hochsommer, Sommerferien, später Vormittag. Gehört zu unseren ersten Frankreicherfahrungen in Familie überhaupt. 1996. Der Zweite gerade mal sechs Monate alt. Im Auto keine Klimaanlage. Im südöstlichen Ruhrgebiet wünschte man sich definitiv nur an drei Tagen im Jahr…

  • Dienstanweisung

    . Sicher-das-dann-ja. Zwei oder drei Anmerkungen konnte man sich erlauben, maximal, dann war Schluß. Immerhin war Monika die Chefin. Und ihr Wort wie in Stein gemeißelte Weisheit. Monikas Sicher-das-dann-ja signalisierte das natürliche Ende eines Meinungsaustauschs bei steiler Hierarchie. Hieß soviel wie jaja, reden Sie mal. Die Zeit der Schwestern-Narkosen ist ein für allemal vorbei, Herr…

  • Agnès

    . Für sowas bin ich nun gar nicht der Richtige. Leider. Nein, ich bin auch nicht genervt. Es braucht schon mehr, mich zu nerven. So oft werde ich auch gar nicht um medizischen Rat gefragt. Meistens werde ich um Rezepte gebeten oder Certificats médicaux zur Teilnahme an mehr oder weniger kompetitivem Sport. Mache ich ohne…

  • Martenstein

    . « An intellectual is a man who takes more words than necessary to tell more than he knows. » – Dwight D. Eisenhower Il n’est pas intellectuel! Der Anästhesie-Pfleger sitzt mit der Kol­legin in meinem Büro. Sie spre­chen über Grie­chen­land. Die grie­chi­schen Schulden. Schulden, die man den Grie­chen ja auch erlassen könnte. Ob man das so…

  • Dienst

    . Du wolltest doch immer schon mal mein Krankenhaus sehen und was ich so mache den ganzen Tag. Heute, Samstag, habe ich Dienst. Du kommst einfach mal mit und guckst mir bei der Arbeit zu. Sieben Uhr muß ich aufstehen. Kaffee, Dusche. Acht Uhr der Anruf bei der Hebamme im Kreißsaal. Habt ihr was für…

  • Todsünde

    Hätte ich natürlich wissen können nach all den Jahren. Zu meiner Verteidigung kann ich außer mittelmäßiger Sprachbegabung nur anführen, daß bei uns zuhause vorwiegend deutsch gesprochen werden soll, alleine schon um den Kindern eine Ahnung ihrer Muttersprache zu erhalten. Wäre meine Frau Französin, hätte ich Monsieurs D.s Irrtum bestimmt sofort erkannt. Wenn man auch zuhause…

  • Katzenbild

    . Salut Christine, ich war ja besten Willens, ehrlich, Ihnen doch frühzeitig zu antworten, letzten Donnerstag noch, wohl wissend, daß sich über das Wochenende keine Zeitfenster mehr auftun würden. Aber einerseits wollte ich vorher Ihren Duval – « Mörderische Côte d’Azur«  – fertig gelesen haben und andererseits hatte ich schließlich doch noch zu tun in diesem…

  • Aylan

    Ystävänpäivä. Festlichkeit mit vier Ä. Zufallsfund bei Wikipedia. Finnisch für Valentinstag. War letzten Sonntag. Ein Feiertag mit ausgesprochen merkantilem Hintergrund. Ein Glanzbeispiel gelungenen Marketings. Tag des Blumenhandels wäre treffender. Ehrlicher. Wollte ich gerade deswegen bewußt ausfallen lassen. Zu merkantil. Geburtstag, Hochzeitstag, Weihnachten, Ostern reichen eigentlich als Gelegenheiten konsumlastiger Sypmpathiebezeugung. Finde ich. Meine Frau gab sich dann,…

  • Castrop-Rauxel

    . Worte sind wie Laub, wo sie im Übermaß sind, findet man selten Früchte darunter. Anton Kner Für meinen Schwie­ger­vater stellt sein Fax­gerät das Maximum an tele­kom­mu­ni­ka­tiver Hoch­tech­no­logie im Haus­halt dar. Es gibt kein Internet bei ihm. Keinen Com­puter. Von einem Handy ganz zu schweigen. Aus Über­zeu­gung. Und der Angst vor erra­ti­scher Dys­funk­tion und damit…

  • Parthenogenese

      Erstaunlich fand ich vor allem, daß ein VIP wie Til Schweiger selbst seine Posts bei Facebook verwaltet. Sogar selbst schreibt. Oder, natürlich, auch denkbar, jemanden hat, der dieses Image vermitteln soll. Es geht um Nähe zum Publikum. Ich bin einer von euch. Am 3. Januar hatte ihn wohl jemand mit verhaltenem Kommentar zu seinem…

  • Mexique

      Wir sind gleich für Sie da. Eine weibliche Stimme untermalt von Digitalmusik. Ansagen im Minutentakt. Ich befinde mich in einer Warteschleife der Deutschen Post. Die Sendungsverfolgung bei DHL. Mein Schwiegervater wartet auf den Weihnachtskalender mit Bildern seiner Enkel. Kriegt er jedes Jahr. Zwölf Bilder in Großformat. Individuelle Maßanfertigung in Handarbeit. Jeder Tag handgemalt. Unter…

  • Pierre

    Ich habe Dienst. Mit « coupure », Pause also, zwischen Mittag und vier Uhr nachmittags. Heute ziemlich früh die coupure, weil sich zwischen den Feiertagen kein Mensch freiwillig ins Krankenhaus legt. Galle und Leistenbruch können auch bis 2016 warten. Nichts los. 11:14 Uhr auf dem Parkplatz. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, eben mal bei Orange vorzufahren und das…

  • Falbala

    A voté! ruft der Herr in Anzug und Krawatte. Er spielt seine Rolle als ehrenamtlicher Wahlhelfer sehr überzeugend. Mit Inbrunst für die Republik. A voté. Mein Sohn hat gewählt. Sie haben seinen Namen, noch viel komplizierter als meiner, anhand seiner Nummer aus der Carte électorale in einem großformatigen Ringbuch gefunden und ihn laut hörbar aufgerufen,…

  • Euromillionen

    Auf dem Weg zum Schwimmtraining. Das Hallenbad auf der anderen Seite der Stadt. Nachmittags um halb sechs ist überall Stau. Trotz Tunnel unter der Stadt. Auf den Rücksitzen besprechen meine Tochter und ihre Freundin Anaël ihre Wunschlisten zu Weihnachten. Zweifellos auch angeregt von der Weihnachtsdekoration, die schon installiert wird. Bei uns im Dorf geht der…

  • Xylella fastidiosa

    Meine Schwägerin sagt, mit großem Bedauern, ohne die Palmen an der Terrasse wäre unser Anwesen um eine wesentliche Feature ärmer. Sie sagt Feature, meine Schwägerin. Wesentliche Feature. Sie ist Chairman eines international ausgerichteten Unternehmens für Unified Communications. Schwäbischer Mittelstand. Da redet man eben so. Im internationalen Unternehmen. Feature. Auch in Schwaben. Jetzt ist eine wesentliche…

  • Meeresfrüchte

    Pierre-Marie auf dem Display des Telefons! Das verhieß nichts Gutes! Wenn Pierre-Marie anruft, ist er wahrscheinlich sauer. Sonst kommunizieren wir monatelang nur per Mail. Was war das denn? Was war was? Da war was und dann war es wieder weg. Er hatte es also gemerkt. Ich hatte aus einem Nachmittag auf einer der Îles des…

  • Schade eigentlich

    Eine Landstraße vom Dorf direkt an der Küste zum Dorf in zweiter Reihe. Mäandert knapp zweispurig durch üppiges Grün. Anlieger sind eine hochpreisige Baumschule und ein paar Biobauern, die mißmutig zahlungskräftigen Kunden teilkompostierte Tomaten der Vorwoche in Papptüten zu verkaufen suchen. Dreißig Prozent des Wohnraums im Dorf an der Küste, darunter exklusive Anwesen mit Direktblick…

  • Das Blaue vom Himmel (3)

    Worin unterscheiden sich japanische, indische und französische Informatiker der Automobilindustrie? Japanische Informatiker kümmern sich um die Motorsteuerung zur Verschleierung tatsächlicher Abgaswerte unter anderem bei Toyota. Machen sie im straff hierarchisch organisierten Team. Liefern kompatible Software zum Beispiel auch an Mercedes-Benz, Ford und Fiat. Die entsprechenden Programmzeilen werden vermutlich unauffindbar bleiben. Bei BMW in München hat…

  • Das Blaue vom Himmel (2)

    Thomas Zahn, der Leiter von Vertrieb und Marketing bei Volkswagen Deutschland, bringt sein tiefstes Bedauern zum Ausdruck. Klar, er hat mein Vertrauen enttäuscht und ist sich dessen bewußt. Mit meinem Siebensitzer, made in Germany, wollte ich einen Schlußstrich ziehen unter eine Serie unerquicklicher Abenteuer mit Produkten der einheimischen Automobilindustrie. Und nun das! Mein Neuwagen von…

  • Das Blaue vom Himmel

    Für den Wagen kann ich Ihnen vielleicht noch fünfzehnhundert geben. Mehr ist da nicht drin. Die Kilometer. Soviel Kilometer! Und die Dieselpumpe muß ja erst noch ersetzt werden. Und wer weiß, was der Wagen noch alles hat. Da muß ohnehin erstmal der Speicher des Bordcomputers ausgelesen werden. Täte ihm ja leid, sagt der Vertragshändler meines…

  • Funkloch

    Ich komme aus dem Dienst und fühle mich etwas angegriffen. Und das, obwohl mich keiner gestört hat. Weder Chirurgen noch Hebammen, weder Notaufnahme noch Intensivstation oder wer da sonst einen Grund finden könnte, mich um 01:54 Uhr oder 03:37 Uhr anzurufen. Nein, ich fühle mich angegriffen, weil mein Bett unter mir zusammengebrochen ist! Zweimal. Gefühlt…

  • Thomas

  • Weihnachten

    Allô? Ich erkenne an der Nummer, wer mich da anruft. Ich melde mich trotzdem mit Hallo?, weil alle das so machen. Allô? Das ist Manus Bruder. In Frankreich wird – auch weit jenseits des Zeitalters aufkommender analoger Telekommunikation – zunächst die Stabilität der Leitung geprüft. Oui, bonjour, c’est Monsieur Diehl! Sage ich, als ob er…

  • Elternabend

    Ab 17:30 Uhr. Mein Sohn hätte mir nichts davon erzählt. Hätte es wahrscheinlich unauffällig unter den Tisch fallen lassen. Und ich hätte eine gute Entschuldigung gehabt, nicht dort gewesen zu sein. Bei der Durchsicht seiner Schulsachen geriet mir der Zettel zwischen die Finger. Zufällig. Petit rappel! Rencontre professeurs-parents 17:30 heures le 14 septembre. – Kleine…

  • Central Park

    Mein Exemplar der « Riviera – Das Magazin », eine regionale, deutschsprachige Monatsschrift, kommt zum Monatsende in einem weißen Hartpapier-Umschlag, ist immer ein bißchen zerknittert. Ist mit fast DIN A 4 eben einen Hauch zu groß für den gängigen Briefkastenschlitz. Mit im Umschlag, als Beilage, etwas kleiner, deswegen wohl auch nicht geknittert, im August die Broschüre « Private…

  • Ist das mein Problem?

    Wo geht’s denn hier in den Kreißsaal? Deutsche. Ein junger Mann mit Drei-Tage-Bart und einer Vierjährigen auf dem Arm. Die sprechen mich auf Deutsch an! Im Flur zu den Urgences. Sieht man mir an, daß ich Deutscher bin? Habe ich Socken in Birkenstocks an den Füßen, die FAZ unter dem Arm, Schwarz-Rot-Gold auf der Wange?…

  • Pifomètre

    Aus der Beilage – La Provence vue par la presse étrangère – von N° 1288 des Courrier international vom 9. Juli 2015 mit freundlicher Genehmigung die Übersetzung meines Leserartikels bei ZEIT ONLINE « Trüffelmarkt in Aups – Schwarze Trüffel für den Cousin« . Wiederum gekürzt. Choisir la truffe au pifomètre Sur le marché du village d’Aups, par…

  • Knaller

    Als sich mein Zustand soweit stabilisiert hatte, daß ich an den Mittagstisch zurückkehren konnte, war im Gesicht meiner Frau eine Mischung aus Mitleid, Spott und Besorgnis abzulesen. Besorgnis allerdings weniger um meine Vitalprognose. Ich konnte ihre Sorge auf den Punkt bringen: Die Lebensmittelallergie ist eigentlich eher was für Knaller. Ich weiß. Wer will schon einen…

  • Eigentlich

      Eigentlich wollte ich nur meinen Sohn von der Schule nach Hause bringen. In Saal 1 habe ich eine Hüfte, gerade angefangen, sagte ich meinem Kollegen aus Tunesien, Saal 2 experimentelle Chirurgie mit Ioana unter Lokalanästhesie, fast fertig. Ich kümmere mich eben noch um die postoperativen Anordnungen und verschwinde dann. Um halb eins bin ich…

  • Uroma

    Es ist soweit. Was? Es ist Mistral. Und? Wir müssen die Eltern an den Strand bringen. Zu den Vögeln. Muß das heute sein? Morgen spätestens. Mistral ist immer nur ein paar Tage. Das weißt du doch! Und die Brüder? Sind unterwegs. Wir warten nur noch auf dich. Nimm dir einen Flieger oder setz’ dich in…

  • Krebs

    Bis heute Morgen noch hatte ich wahrscheinlich Krebs. Magenkrebs. Bösartige Erkrankungen kenne ich aus dem Studium. Magenkrebs hatte ich bestimmt schon mal. Die Grundsymptome der bösartigen Erkrankungen waren immer ähnlich: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gewichtsverlust. Dazu vielleicht leichtes Fieber, Nachtschweiß, diffuser Schmerz. Bei meinem Lungenkrebs kam noch ein hartnäckiger trockener Husten dazu. Über Wochen. Sehr störend bei…

  • Ausländer

    Mein Sohn, elf Jahre, hatte auf dem Weg zum Schwimmtraining im Bad am Hafen behauptet, die Charles-de-Gaulle sei in Toulon. Würde er gerne mal in echt und aus der Nähe sehen. Die Charles-de-Gaulle ist der französische Flugzeugträger. Die Rolex der französischen Streitkräfte, vielleicht der Stolz der Grande Nation überhaupt. Daß sie gerade angekommen wäre, hätte…

  • Ehrenwort

    « Assurances Orange, Cindy, bonjour, que puis-je pour vous? » Mein Sohn kommt abends mit zerstörtem Smartphone nach Hause. Der Bildschirm ist gesprungen, die Rückseite hat einen Riß. Harte Landung auf der Ecke oben links. Es kann noch vibrieren, sonst aber nichts mehr. Zum Glück habe ich in weiser Voraussicht eine Versicherung abgeschlossen vor ein paar Monaten.…

  • Karpatenhütte

    Klar, das hast Du Dir schon gedacht, cher ami! Ich würde dann doch nicht kaufen. Es ist schade, daß es verkauft werden muß, weil ja doch gute Erinnerungen damit verbunden sind. Jugenderinnerungen. Und natürlich liegt es idyllisch im Dorf, am Bach, ein bißchen Wald sogar dabei. Man muß sich aber auch darum kümmern. Immer wieder…

  • Virginia

    « Endokrine Erkrankung des Magen-Darm-Traktes, bedingt durch das Auftreten von bestimmten Pankreastumoren, pankreatischen Gastrinomen. … Leitsymprom ist die charakteristische Trias: exzessive Magenhypersekretion, rezidivierende Ulzera des Magens und gastrinproduzierende Pankreastumoren. … Therapie nur chirurgisch möglich: subtotale Pankreasresektion, Gastrektomie. » Das steht so, leicht gekürzt, in meinem Pschyrembel von 1982. Zum Zollinger-Ellison-Syndrom. Schön gereiftes Medizinerdeutsch. Inhaltlich nicht mehr ganz…

  • Aila!

    Das geht in Ordnung. Kann ich « abnicken ». Nehmen Sie sich, was Sie brauchen! Diesmal eben die « Hundescheiße ». Brauchen Sie wahrscheinlich nicht als separate Datei, können Sie wahrscheinlich einfach copy/paste zum Redigieren in Ihr Schreibprogramm holen. Oder direkt an Ihre Layouterin weitergeben. Ich habe den Text gestern noch ein bißchen nachgeschliffen. Gestern habe ich viele Stunden…

  • Gazelle

    Liebe Schwägerin! Bei Midlife-Crisis helfen kostspielige Reisen in den Mittleren Orient oder den Fernen Osten. Manchmal reicht auch schon eine kleine Golf-Eskapade nach Afrika. Alternativ, für die Zeit zwischen den kostspieligen Reisen und 18-Loch-Ausflügen auf intensiv bewässertem Grün vielleicht ein teures Auto. Was Tiefergelegtes mit Heckspoiler und Breitreifen. Kann man zwischen zwei, drei Ausfahrten hochbeschleunigen…

  • Schschsch!

    Freitag, 8:24 Uhr. Ich bin zuständig für die Säle drei und vier. Zweimal HNO. Beide Säle wie ausgestorben. Es muß aber schon jemand da gewesen sein. Die OP-Leuchten sind eingeschaltet und der Narkosemonitor in Saal 3 gibt verzweifelt Alarm, weil er keine Daten empfängt und er glauben muß, daß sich das zu überwachende Subjekt in…

  • 3.652 Zeichen

    Zweitausend Zeichen gesteht mir die Redakteurin zu. Den Fokus auf meinen Beruf, Anästhesist, « gewürzt » mit Besonderheiten aus französischem Krankenhausalltag. Wünscht sich die Redakteurin. Zweitausend Zeichen. Das ist nicht viel für gewürzten Alltag mit Fokus. Zweitausend Zeichen sind im französischen Krankenhausalltag schon gesagt, bevor der Tag überhaupt richtig anfängt. Mein Alltag findet vorwiegend im bloc opératoire…

  • Ainörnschen

    Früher, als ich noch jung war und sportlicher, als ich noch zur Schule ging, ins Gymnasium in eine schwäbische Kreisstadt, aus meinem Dorf in die Kreisstadt, fuhr ich diese gut zehn Kilometer oft, na ja, immer wieder, mit dem Fahrrad. Bergauf, bergab. Mehr bergauf als bergab. Der letzte Kilometer von meinem Dorf in die Kreisstadt…

  • Küchenaktivitäten

    Wochenende im Krankenhaus. Dienst. Ein bißchen so wie im Puff. Präsenz, Lächeln so gut es geht, Hinhalten, wenn es soweit ist, Warten, bis es vorbei ist. Zweimal Orthopädie direkt nach dem Frühstück. Ein Handgelenk, ein Oberschenkel. Mit dem italienischen Kollegen Marco R.. Mag ich nicht so gerne, weil er mit der Anästhesie selten direkt spricht,…

  • Hundescheiße

    Mein Erstgeborener mußte in seiner Schule in Nîmes einen Vortrag halten über Deutschland. Von mir wollte er per whatsapp dazu wissen, was die Deutschen von den Franzosen halten. Generell gesehen. Was meint er? Meine persönliche Meinung? Einzelheiten zu meinem Lieblingsthema französischer Merkwürdigkeiten? Ausführungen zum historischen « Erbfeind » seines Urgroßvaters? Zum Frankreich als Kulturnation seines Großvaters väterlicherseits?…

  • Kettensägenschmerz

    November. Der Tag fängt nicht gut an. Ich werde vom Rappeln meines Zweitgeborenen im Treppenhaus wach. 6:42 Uhr. Statt 6:30 Uhr im Auto, 6:43 Uhr an der Zahnbürste. 6:57 Uhr im Auto. Kein Kaffee. Viel zu spät eigentlich für einen Montag Morgen vor Marseille. 8:06 Uhr im Wartezimmer der Neurochirurgie, La Timone, Uniklinik von Marseille,…

  • Le Faron

    Zum letzten Geburtstag hat mir meine Frau ein GPS-Gerät fürs Fahrrad geschenkt. Man kann Strecken programmieren und weiß immer, wo man ist. Das Gerät zeigt auch an, wie schnell man ist, wie die Steigung ist, die Höhe über dem Meeresspiegel, den Luftdruck, die Himmelsrichtungen. Den Kalorienverbrauch, die Pulsfrequenz. Das mit der Pulsfrequenz ist eigentlich so…

  • Pseudomnesie

    Vor vielen Jahren, während meines ersten Schuljahres, verbrachte ich mit meinen Eltern und meinen Brüdern ein paar Monate in Südfrankreich. Irgendwo bei Vence hatten wir ein Haus mit offenem Kamin gemietet. Vier Monate lang. Mitten in der ersten Klasse Grundschule. Meine Mutter war Grundschullehrerin. Lesen und Schreiben habe ich da mit ihr gelernt und meine…

  • Einrichtung des öffentlichen Gesundheitswesens

    Kommende Woche, ab morgen, habe ich meine griechische Woche. Griechische Woche? Der Begriff hat hier nur wenig kulinarischen Hintergrund. Ist – ich gebe es zu, ich schwimme da völlig unbefangen auf der aktuellen Woge eines Vorurteils – eine Steigerungsform der südfranzösischen Version zur lokalen Arbeitsmoral. Arbeit dabei in Anführungszeichen – « Arbeit ». Travailler – wörtlich: arbeiten…

  • Kollateraltröpfchen

    Hallo Herr Redakteur! Gestern waren wir in der Oper von Toulon, meine Frau und ich. Wir haben Contes d’Hoffmann – Hoffmanns Erzählungen – von Jacques Offenbach gesehen und ich mußte an Sie denken. Nein, nicht wirklich an Sie direkt, sondern an ein Interview in ZEIT ONLINE. Herr Daschner wurde interviewt von Nicola Meier vielleicht haben…

  • Französische Hölle

    Das reicht nicht für das Paradies. Du mußt in die Hölle. Aber dir bleibt die Wahl zwischen deutscher Hölle und französischer. Na gut. Wie sieht’s denn in der deutschen Hölle aus? In der deutschen Hölle gibt es siedendes Öl, glühende Kohle, rostige Nägel unter die Zehennägel, Zangen, Daumenschrauben. Und was gibt es in der französischen?…

  • Geburtshilfe

    Der Klassiker zur Dienstübergabe der Hebammen. Die ganze Nacht kein einziger Hilferuf an den diensthabenden Anästhesisten und kaum ist Philippe da, Philippe die Hebamme, übergewichtiger Gesichtshaarträger, geht es nicht mehr ohne mich. 7:12 Uhr. Eine Zweitgebärende bei drei Zentimetern. Hat sie denn Schmerzen? Ben, oui, sie hat schon etwas Schmerzen. Ich muß mich aus dem…

  • Harissa

    3:06 Uhr die sage-femme. Petite primi demandeuse d’une péridurale. Bis dahin Vollmondnacht. Erst zu lange im Internet. ZEIT vorwiegend und SPIEGEL. Ich lese sogar Beiträge wie « Frauen sind auch nur Männer ». 57 Prozent der Männer gehen fremd. Zum Fremdgehen gehören meist auch Frauen. Logisch eigentlich. Nur 47 Prozent geben es aber zu. Viel mehr aber…

  • Trüffelmarkt in Aups

    Meine Frau wird nächste Woche in einer Familienangelegenheit nach Deutschland reisen und unter anderem ihren Cousin treffen. Der Cousin ist ambitionierter Profi-Hobbykoch. Er ist Oberkochbruder eines Kochclubs mit elitärem Anspruch. Meine Frau will ihn mit schwarzem Trüffel aus der Provence beeindrucken. Trüffel gibt es in Aups. Dort findet jeden Donnerstag Morgen von Ende November bis…

  • Meilleurs vœux

    Freitag Hierzulande, wo sich die Menschen etwas extrovertierter geben, mediterraner eben, wünscht man sich zum Jahreswechsel nicht nur pauschal alles Gute oder ein Schönes Neues. Die besten Wünsche – meilleurs vœux – werden gerne noch in allerlei Details präzisiert: Glück, Zufriedenheit, Geld, Kindersegen zum Beispiel. Erst die Wünsche, dann die Küsse. Kolleginnen und Kollegen, Schwestern,…

  • Charlie Hebdo

    Meine Eltern wünschen sich die nächste Ausgabe von Charlie Hebdo. Die erste nach dem Attentat. Soll in Millionenauflage an den Kiosk kommen. Sonst nur 60.000, von denen die Hälfte verkauft wird. Sind auch nur acht Seiten statt der sonst üblichen sechzehn. Liebe Eltern! In meinem Krankenhaus gibt es einen Kiosk. Da kann man sich eine…