Das ist

ein Blog. Nicht meine ei­gene Idee. Ein Vor­schlag vom Re­dak­teur bei ZEIT ONLINE. Ein Blog be­wegt sich aus mei­ner Sicht auf un­ge­fähr dem glei­chen Ni­veau wie ein Konto bei Face­book. Was für Selbst­dar­stel­ler. Ich habe kein Konto bei Face­book. Auch nicht bei Twit­ter oder Ins­ta­gram. Oder was es da noch so al­les gibt. Aber ei­nen Blog. Doch Selbst­dar­stel­ler ir­gend­wie.

Am An­fang war nur eine Mail an meine El­tern. Die hät­ten so gerne und zeit­nah ein Ex­em­plar des ers­ten Char­lie Hebdo nach dem At­ten­tat ge­habt. Und den­ken, in Frank­reich säße ich da quasi an der Quelle. Ich be­mühte mich ernst­haft darum. Lei­der er­folg­los. Aus­führ­lich schil­derte ich mei­nen El­tern mei­nen Mi­ßer­folg. Den Text die­ser Mail schlug ich ZEIT ONLINE zur Ver­öf­fent­li­chung als Le­ser­ar­ti­kel vor. Warum es nicht mal ver­su­chen? Fand Zu­stim­mung. War ja auch ziem­lich ak­tu­ell. Am über­nächs­ten Tag sollte der Bei­trag er­schei­nen. Der Re­dak­teur kürzte, nahm kleine Ver­än­de­run­gen an mei­nem Text vor und machte mir Druck, doch so schnell wie mög­lich der neuen Ver­sion zu­zu­stim­men und die All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen zu ak­zep­tie­ren. Das sind ver­mut­lich die Auf­ga­ben ei­nes Re­dak­teurs. Aus­wäh­len, kür­zen, an­pas­sen, Druck ma­chen. Ge­fiel mir, schmei­chelte mir. Kann ich nicht leug­nen. Vor al­lem das Aus­ge­wählt­wer­den ge­fiel mir. Ein Text von mir, der pro­fes­sio­nelle An­er­ken­nung fin­det! Das Kür­zen ge­fiel mir we­ni­ger.

Da­von er­mu­tigt gab es ei­nen zwei­ten Text für den Re­dak­teur bei ZEIT ONLINE. Über ei­nen Auf­tritt auf dem Trüf­fel­markt in Aups im Hin­ter­land der Pro­vence. Auch die­ser wurde an­ge­nom­men, ge­kürzt, an­ge­paßt und ver­öf­fent­licht. In der Rei­se­rubrik.

Für mei­nen drit­ten Vor­schlag – Se­nio­ren­sport in den Hü­geln um Tou­lon – ern­tete ich freund­li­che An­er­ken­nung. Danke für den schö­nen Text, schrieb der Re­dak­teur und ver­sprach, ihn an den Reise-Kol­le­gen wei­ter­zu­lei­ten, der al­ler­dings ge­rade im Ur­laub sei. Und, schrieb er wei­ter, „ich glaube, Ihre Schreib­lust und Ihr Ta­lent brau­chen auf mit­tel­fris­tige Sicht aber noch ein an­de­res Be­tä­ti­gungs­feld als un­sere Le­ser­ar­ti­kel…“. Aha.

An­de­res Be­tä­ti­gungs­feld? Wol­len die mich los­wer­den bei der ZEIT? Mein An­spruch wäre nicht über ei­nen ge­le­gent­li­chen Ar­ti­kel bei ZEIT ONLINE hin­aus­ge­gan­gen. Als klei­nes Kon­trast­pro­gramm zu Nar­ko­sen. Un­ser ehe­ma­li­ger Chef de Ser­vice hat auch ein an­de­res Be­tä­ti­gungs­feld ge­fun­den. Ges­tion des ris­ques. Was auch im­mer das sein mag. Ri­si­ko­ver­wal­tung? Hat dazu ein Büro in ei­nem Ne­ben­ge­bäude. Fernab von Kol­le­gen, Ärz­ten, Schwes­tern, Heb­am­men, die er in ho­her Re­gel­mä­ßig­keit bis zur Hand­greif­lich­keit zu­recht­wies. Und vor al­lem fernab von Pa­ti­en­ten und de­ren An­ge­hö­ri­gen, die er un­flä­tig zu be­lei­di­gen neigte. Mon­sieur le Di­rec­teur er­kannte den ehe­ma­li­gen Chef de Ser­vice auf­grund der Viel­zahl von Be­schwer­den als er­heb­li­ches Ri­siko. Und be­treute ihn kur­zer­hand mit der Ri­si­ko­ver­wal­tung. Sehr in­tui­ti­ver Schach­zug. Ei­ge­nes Büro, ver­mut­lich ei­gene Se­kre­tä­rin. Alle Ri­si­ken in ei­nem Büro. Fernab. Der ehe­ma­lige Chef de Ser­vice fin­det auch so noch Ge­le­gen­hei­ten, Kol­le­gen nach­hal­tig zu­recht­zu­wei­sen und Pa­ti­en­ten gna­den­los zu be­lei­di­gen. Aber nicht mehr so oft.

Auf Nach­frage riet mir der Re­dak­teur zu ei­nem Blog. Als eine von vie­len Mög­lich­kei­ten. Des­we­gen also. Wenn das lang­wei­lig wird, wird er eben wie­der ein­ge­stellt, der Blog.

Mein Home­page-Hos­ter bie­tet eine Sta­tis­tik-Funk­tion an. Am ers­ten Tag on­line stieg die Zahl der Be­su­cher von fünf auf drei­ßig auf knapp zwei­hun­dert am zwei­ten. Fünf ent­spricht wohl dem Grund­rau­schen der Sei­ten­auf­rufe durch Such­ma­schi­nen-Ro­bo­ter. Wenn ich bis Ende nächs­ter Wo­che nicht bei tau­send bin, höre ich wie­der auf.

4 Gedanken zu „Das ist“

  1. Hej, Herr Diehl, ich lasse mal ei­nen Kom­men­tar da … hab‘ ge­rade durch Ih­ren Blog ge­blät­tert und hier und da ge­le­sen und mich gut amü­siert! Werde wie­der rein­schauen. Ver­spro­chen.

  2. Bitte Wei­ter­schrei­ben!
    Manch­mal liebe ich so­gar Selbst­dar­stel­ler (wenn sie gut Schrei­ben kön­nen! Und viel­leicht ein­fach er­zäh­len, wie’s manch­mal so ist!)
    Grüße von
    Eva

  3. Klasse, dass ich Sie bzw. ihr blog ge­fun­den habe (üb­ri­gens über Chris­tine Ca­zon). Als Fran­ko­phile kann ich bei Ih­nen viel er­fah­ren. Bitte un­be­dingt wei­ter schrei­ben.

    1. Danke, freut mich! Ich werde mir Mühe ge­ben mit dem Wei­ter­schrei­ben. Und bitte un­be­dingt wei­ter­emp­feh­len! Gruß, Ber­tram

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